Neues Gutachten Vieregg-Rössler GmbH zur Planungssituation im Verfahren Brennernordzulauf vom 18.6.2018

Nachdem etliche wesentliche Probleme des Planungsverfahrens von den Planern der Bahn ungeklärt, abgeblockt oder vertuscht worden sind, hat die Inntal Gemeinschaft e.V. die renommierte Vieregg – Rössler GmbH beauftragt, ein Gutachten zum Planungsstand zu erstellen.

Das Gutachten weist plausibel zahlreiche grundlegende Mängel des Planungsverfahrens nach und kommt zu dem Ergebnis, dass die vorgelegten Planungen mit Sicherheit nicht geeignet sind einen Nutzen – Kosten – Faktor von über 1,0 (nötiger Mindestwert ) für die nächsten Jahrzehnte zu erreichen.

Diese Planung muss entweder eingestellt, zurückgestellt oder stark modifiziert werden. In der vorliegenden Form ist eine Beibehaltung des Projektes im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans nicht möglich.

Laden Sie hier das vollständige Gutachten herunter:

VR-Brennerzulauf-Stellungnahme-Grobtrassen

Steigerung des Güterverkehrs am Brenner? Tonnenkilometer? Taktik der Bahn, aber kein Fakt!

Die DB Netze AG wirbt bei ihren Trassenvorstellungen in der Öffentlichkeit mit dem folgenden Plakat zur Entwicklung des Güterverkehrs:

Die Darstellung mit Bezug zu den Trassen vom Brennernordzulauf suggeriert, dass diese Verkehrsprognose auf den Brenner bezogen ist.

Das ist falsch und grob irreführend. Zwar befindet sich ganz unten von diesem Plakat in winziger Schrift der Hinweis, dass diese Prognose nur auf die gesamte BRD bezogen ist, aber das liest wohl kaum jemand und außerdem ist der Hinweis auf Tonnenkilometer hier völlig unsinnig.

Die Steigerung von Tonnenkilometern bedeutet nämlich lediglich, dass die transportierten tatsächlichen Tonnen immer weitere Strecken transportiert werden, von durchschnittlich heute 300 km auf künftig 350 km. Dabei bleiben aber die absoluten Verkehrsmengen, also Zugzahlen und Tonnen fast gleich.

Das in der Verkehrsprognose des Bundesministeriums vom 11.6.2014 prognostizierte durchschnittliche Wachstum im Schienengüterverkehr liegt bis zum Jahr 2030 nur noch bei 1,8 %, so dass sich am Brenner bis dahin laut offizieller Prognose fast keine Steigerung auf der Schiene feststellen lässt. Die Zugzahlen müssten sogar sinken, da ja wegen des BBT dann 750 m lange Güterzüge eingesetzt werden.

Die DB Trassen im Inntal – eine Detailbetrachtung

Die vorgestellten Trassenvorschläge der DB bergen viel brisantes – vor allem im Detail! Wichtige Punkte sind nicht verzeichnet oder erwähnt!

Ein ganz großes Problem ist der Planungsansatz, dass Rosenheim im Bereich Brannenburg an die ICE Neubaustrecke angeschlossen werden soll.

Hierfür werden drei unterschiedliche 4 – spurige Verknüpfungsstellen vorgeschlagen, die in der Karte gelb umrandet sind.

Die jeweiligen Zuleitungen von der alten Strecke Richtung Norden (ca Raubling  und Süden ca Fischbach ) werden auch noch vierspurig neu gebaut. In diesem Bereich würde dann die alte Strecke aufgehoben.

Das macht im Bereich Brannenburg/Flintsbach aber auch einen neuen Bahnhof samt Parkplätzen und Zufahrt nötig, alles mitten im Landschaftsschutzgebiet und über landwirtschaftlich genutzter Fläche.

Hinzu kommt, dass alle Trassenvarianten oberirdisch durch die krasse Engstelle des Inntals bei Fischbach mit Autobahn , Landstraße und Ölpipeline verlaufen sollen.
Und sämtliche Trassenvarianten westlich des Inns beinhalten Verknüpfungspunkte für Rosenheim.

Es stellt sich bei alldem die Frage, ob diese extremen Belastungen in den Gemeinden Raubling, Brannenburg und Flintsbach im Verhältnis zum Anbindungsverlangen  für innerösterreichischen Personenfernverkehr Wien – Salzburg – Innsbruck mit Zufahrt für Kufstein sowie Rosenheim gerechtfertigt werden können.

Trassenentwürfe der DB nun veröffentlicht

 

Grobtrassen zum Brennernordzulauf

vorgestellt von der DB Netz AG/ÖBB Infra am 18.6.2018

Bis zum 18.6.2018 war allen Planungsgremien unbekannt, wie die ICE Hochgeschwindigkeitstrasse von Kufstein um Rosenheim herum verlaufen könnte.

Die Öffentlichkeit wurde nun mit geplanten Trassenvarianten von Kufstein über Rosenheim nach München konfrontiert.

Hier finden Sie die Pläne der Trassenplanung:

Trassen

Die bis dato existierende Raumwiderstandkarte wurde ebenfalls veröffentlicht – leider sind wesentliche Aspekte wie die geologischen Felderkundungen bis dato nicht berücksichtigt.

Unten der Link zu der Karte der Raumwiderstände:

Raumwiderstand

Die vorgestellten Grobtrassenplanungen mit vielen Varianten können nicht nach der Bekanntmachung am 18.6.2018 innerhalb kürzester Zeit voll umfänglich analysiert werden.

 

Daher vorerst eine erste Stellungnahme der Inntal Gemeinschaft e.V.

 

Die ersten Trassenvorschläge enthalten Varianten, die grundsätzlich abzulehnen sind. Sie basieren auf dem größten möglichen Flächenverbrauch mitten im Landschaftsschutzgebiet Inntal Süd und der Vernichtung noch vorhandener zusammenhängender landwirtschaftlicher Flächen.

Es handelt sich um das Kernstück sämtlicher auf der Westseite des Inns befindlichen Alternativen, die sich alle durch Verbindungsstellen der neuen ICE Strecke mit der alten Bahnstrecke auszeichnen.

Diese Verbindungsstellen bestehen aus 4 parallel geführten oberirdischen Gleisen über 2 bis 3 km Länge und liegen im Herzstück des noch freien Landschaftsschutzgebietes im Bereich Flintsbach, Brannenburg und Raubling.

Um an diese Verbindungsstellen zu kommen, müsste die alte Bahnstrecke zwischen Flintsbach und Raubling aufgelassen und quer durch das gesamte kultivierte Agrarland neu verlegt werden.

Das würde die Zerschlagung landwirtschaftlicher Existenzen und auch die endgültige Zerstörung des bislang so seit 1952 gehüteten Schutzgebietes bedeuten.

Jetzt würden die intakt gehaltenen Flächen umfassend mit höchster Trennwirkung grob verbaut und zerschnitten. Dasselbe gilt für den Bereich Oberaudorf/Reisach, wo ebenfalls in einer der schönsten noch erhaltenen Kulturlandschaften eine Verknüpfung der ICE Strecke aus einem geplanten Tunnel mit der alten Bahn vor dem Kloster vorgeschlagen ist.

Seit fast drei Jahrzehnten setzt sich die Inntalgemeinschaft e.V. für den Erhalt des Inntals ein und verhinderte z.B, Steinbrüche in Flintsbach und Nußdorf, die Mülldeponie Erweiterung in Flintsbach, den geplanten Alpendom in Niederndorf/Oberaudorf, den geplanten Campingplatz in Oberaudorf oder das geplante Aventura in Kiefersfelden verhindert.

Diese Art der rücksichtslosen Planungen lässt das nötige Gespür für Zumutbares vermissen, wobei die Verpflichtung zu einem möglichst empfindsamen und niedrigen Landschaftsverbrauch einfach über Bord geworfen wird.

Derartig grobe Eingriffe sind keine Diskussionsgrundlage: Diese unverständlichen Maximalforderungen der Planer lassen keine objektive und verträgliche Diskussion zu.

 

 

 

 

Konkreter Einstieg in die Trassenplanung für den BBT – Nordzulauf Die DB Netz AG führt hierzu erste Erkundungsbohrungen im Inntal durch

Seit Ende 2017 werden 30 Erkundungsbohrungen im Inntal zwischen Kiefersfelden und Raubling vorbereitet. Nach der Klärung mit betroffenen Grundstückseigentümern finden diese Bohrungen im Lauf des Jahres 2018 statt.

Das den Gemeinden am 24.10.17 und dem Regionalforum am 25.10.17 vorgelegte Erkundungsprogramm erscheint wenig plausibel und ist so gestaltet, dass anhand von dessen Ergebnissen eine unvoreingenommene Trassenfindung nicht möglich ist.

 

Bohrpunkte gemäß DB Netze, geplant

Download zur Detailkarte Erkundungsbohrungen:

 

Detailkarte Bohrpunkte Erkundungsbohrungen

 

Die Inntal Gemeinschaft e.V. verlangt deshalb von der DB Netz AG erhebliche weitere Informationen, die mit Schreiben vom 8.11.17 den Planern bekannt gemacht worden sind und die unbedingt im formalen Planungsverfahren geklärt werden müssen.

Forderungskatalog, Anfrage der Inntalgemeinschaft vom 25.10.2017

Sehr geehrter Herr Gruber,

sehr geehrte Frau Volgger,

als Vorstand der Inntal Gemeinschaft e.V. erhebe ich folgende Einwendungen und stelle in der Folge Anträge.

Am 25.10.17 haben Sie im Regionalforum die aktuellen Unterlagen zum geologischen Erkundungsprogramm vorgelegt, das ab dem Jahr 2018 umgesetzt werden soll.

Anhand der ausgehändigten Unterlagen kann man sich keine plausible Vorstellung vom angewandten Konzept dieses Erkundungsprogramms machen. Die angekündigten Aufschlussbohrungen sollen aber Grundlage für eine Trassenfindung sein.

Wir gehen davon aus, dass sich das Erkundungsprogramm an der Regel des Eurocode 7 Kapitel 2.3. orientiert.

Deshalb fragen wir danach, warum die eingezeichneten Bohrpunkte so gewählt worden sind?

Mit welcher Begründung für jeden einzelnen Bohrpunkt ?

Wurden z.B. morphologische Geländesprünge bedacht ( Stichwort Tennisplatz Flintsbach )?

In Flintsbach ist eine einzige Bohrung am Wimmersee geplant, mit einem Höhenversatz von ca 20m zum Tennisplatz?

In Kapitel 2.3. EC7 wird auch gefordert, die Wirkung auf andere Bauwerke zu untersuchen: Hier z.B. die Öl-Pipeline. Welche Untersuchungen sind hier geplant?

Die Aufschlussbohrungen für die Trasse haben auch Aufschlüsse für „Schlüsselszenen“ wie Ingenieurbauwerke z.B. als Brücken zu geben?

Laut Ausschreibung sind 24 Bohrungen angesetzt?

Wer hat beschlossen, dass insgesamt 24 Bohrungen bzw. 30 Erkundungen für alle Trassenvarianten ausreichend sind?

Im vorgelegten Erkundungsprogramm sind 30 Erkundungspunkte vorgesehen, handelt es sich bei allen um Bohrungen?

Welche Bohrungen, in welchem Umfang, also Anzahl, Alter und Tiefe, werden aus vorhandenen Unterlagen herangezogen?

Welche Versuche wurden in Anlehnung an die jetzt durchzuführenden Bohrungen bei den alten Bohrungen ausgeführt?

Sind die zu erzielenden Ergebnisse vergleichbar?

2)

12 der insgesamt 24 Punkte befinden sich auf DB Eigentum. Für eine Aufschlussbohrung zur Trassenfindung legt diese Anzahl von 50 % den Verdacht nahe, dass es sich in Wahrheit nicht um eine offene allseitige Erkundung handelt, sondern dass eine Trassenplanung entlang der Bestandsstrecke intern bereits favorisiert ist?

Die Inntal Gemeinschaft e.V. fordert zur Plausibilität des vorgelegten Erkundungsprogramms:

Die Offenlegung des schriftlichen Untersuchungskonzepts zu den ausgeschriebenen Bohrleistungen.

Die Beschreibung, warum die Anzahl an Bohrpunkten für ausreichend erklärt wird.

Die Begründungen für die Auswahl der einzelnen Bohrpunkte.

Die Beantwortung der oben zitierten Fragen.

Wir gehen auch davon aus, dass alle unsere Fragen und Anträge wörtlich im kommenden Protokoll als Beitrag zur nächsten Tagesordnung zitiert werden.

Jetzt kommt es darauf an, dass inhaltliche Einwendungen zur Planung festgehalten werden. Wir haben nicht umsonst im Vorfeld diese Frage zu klären versucht.

Mit freundlichen Grüßen

Georg Dudek